Performing Politics - Fragestellung

 

Was heißt es heute, ob in Theater, Performance oder Bildender Kunst, politisch Kunst zu machen?
Zahlreiche Versuche auf dem Gebiet der Künste am Rande der Institutionen zeugten im vergangenen Jahrzehnt von einem neuen Interesse an den Fragen, die nach dem 20. Jahrhundert und seinen Katastrophen übrig geblieben sind, an Fragestellungen des Politischen und der Politik, und an politischer Intervention. Sie standen unter Vorzeichen wie Rückkehr zur Realität, Behauptung eines Gegenpols zur Macht, oder neuerliche Beschäftigung mit den Leitmotiven der revolutionären Bewegungen der Vergangenheit.

Wenn dabei in allen Fällen mit der Wiederkehr des Politischen in den Künsten eine radikale Verunsicherung zu beobachten war, was nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts überhaupt noch eine angemessene Form des Verhältnisses von Kunst und Politik sein könnte, so korrespondierte dem in den bemerkenswerten Arbeiten die Erkenntnis, daß man heute nur um den Preis der Epigonalität nahtlos an die Formen politischer Kunst anschließen kann, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat.

Die Suche nach einer Möglichkeit, im Sinne der von Godard vorgeschlagenen Unterscheidung statt politischer Kunst politisch Kunst zu machen, stellt einen (kleinsten) gemeinsamen Nenner der bemerkenswertesten Arbeiten und Konzepte dar, die das Internationale Sommerfestival Hamburg seit seiner Neugründung vor- und zur Diskussion gestellt hat.

Nachdem sich das Festival in den vergangenen Jahren als Ort der intensiven Begegnung solcher Arbeiten etabliert hat, will die Internationale Sommerakademie Hamburg in den kommenden Jahren den Versuch unternehmen, diskursiv zu machen, was sich im Konzept des Festivals wie in den Arbeiten der eingeladenen Gruppen manifestiert und zugleich die Verbindung zwischen dieser inhärenten Theorie und Ansätzen von Theorie herstellen, die auf ihrem Gebiet in ähnlicher Weise die kritische Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen gesellschaftlichen Realität versucht.